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17. Nacht der Stimmen 2009 - A Cappella Festival

Geschrieben von: Stefan Tschersich    Donnerstag, den 21. Mai 2009 um 23:52 Uhr   

Ging mit - Das Marburger PublikumDie 17. Nacht der Stimmen am 21.5.2009 fand nicht wie geplant unter freiem Himmel auf der Marburger Schlossparkbühne, sondern wegen der halbwegs falschen Wettervorhersage in der Georg-Gassmann-Turnhalle statt. Auf dem Programm des renommierten A-Cappella-Festivals standen "Der Gute Ton", "MAUF", "iNtrmzzo" und "Ganz Schön Feist".

Dabei bewiesen Veranstalter und Künstler dieses Jahr erneut, dass A Cappella Gesang heute deutlich mehr ist, als im Frack mit pomadigen Haaren "Mein kleiner grüner Kaktus" zu trällern und dass sich dieses musikalische Genre seit den eigentlichen Hochzeiten der 20er Jahre mit hohem Unterhaltungswert auf einem Niveau befindet, was man anderen Musiksparten wünschen würde.

Anheizer - Der Gute TonDer Gute Ton - Beatles A Cappella
Den Auftakt in der restlos gefüllten Halle machten diesmal entgegen der alten Tradition mangels Masse keine Marburger Vokalisten, sondern A Cappella Beatles-Coverband "Der Gute Ton", die im Raum um Frankfurt touren. Vielleicht lag es an der Tatsache, dass Anheizer immer eine undankbare Aufgabe haben, oder aber daran, dass lokationsbedingt der Abstand zwischen Publikumsrängen und Bühne deutlich mehr als zehn Meter betrug, aber echte Stimmung wollte bei den ohnehin ein wenig steif agierenden Herren der Gesangskunst mit Entertainerin Susanne Fey nicht so recht aufkommen. Erst als die einzige Dame des Sextetts beim vorletzten Lied selbst anfing zu singen, fing das Eis langsam an zu tauen und es blitzte hier zum ersten Mal die Stimmung vorjähriger Veranstaltungen auf.

Gingen richtig ab - MAUFMAUF - A cappella beatboxing
"Etwas neue Wege" wollte Veranstalter KFZ mit dem diesjährigen Event gehen und so kam die "a cappella beatboxing band" "MAUF" aus Österreich als zweites zum Zuge. Bereits mit dem Intro-Song hatten diese das Marburger Publikum vollends in der Tasche! Nicht klassischer A Cappella Gesang, sondern Human Beatbox Klänge mit Synthi Stimmkunst und powervollem Gesang brachten die Besucher der Turnhalle so langsam mächtig ans Kochen. Mit eigenen Stücken und einer unglaublich lockeren und häufig spontan improvisierten Art rissen MAUF das verwöhnte Publikum regelrecht vom Hocker. Die jungen Stimmkünstler gingen dabei scheinbar spielerisch an den Grenzbereich des Machbaren und zauberten dabei extrem druckvoll in Frequenzbereichen, die eine menschliche Stimme eigentlich gar nicht hervorbringen dürfte. Erst nach zwei Zugaben und mit Standing Ovations verabschiedete man sie in die Pause.

In der halbstündigen Unterbrechung konnte sich das Publikum mit ökologisch wertvollem Grillgut und Limonade aus kontrolliert-biologisch gewonnenen Rohstoffen stärken.

Der Höhepunkt - iNtrmzzo aus HollandiNtrmzzo - Stimmung auf dem Siedepunkt
Nach der Pause dann mussten "iNtrmzzo" aus den Niederlanden beweisen, dass sie, nach ihrem Besuch des Festivals im Jahr 2000 und nachdem bereits die zweite Band die Messlatte extrem hoch geschraubt hatte, die hohen Erwartungen des Publikums erneut erfüllen können. Sie konnten. Schon nach dem dritten Song war die Stimmung wieder auf dem Punkt, an dem sie vor Beginn der Pause war. Dabei setzten die extrem variablen Holländer musikalisch vor allem auf Filmklassiker und konnten bei jedem Lied durch eine kleine, aber gezielte Showeinlage die Marburger für sich begeistern und ernteten dafür neben Szenenapplaus auch frenetischen Jubel.

Ganz Schön Feist - etwas enttäuschend
Ganz Schön Feist - gut, aber enttäuschtenEin wenig enttäuschend dann der letzte Auftritt des Abends der als Headliner gedachten Band "Ganz Schön Feist", die sich mit dem 1997er Hit "Du willst immer nur ficken", Kleinkunstpreisen und Fernsehauftritten bereits eine Namen gemacht haben. Klanglich hatte der zumeist mehrstimmige Gesang zwar etwas mit dem Begriff "A Cappella" zu tun und die süffisant-zynischen Texte ihrer Lieder gehören mit Sicherheit zu den besseren der deutschen Musik-Kultur, aber irgendwie war es auch wegen der häufigen akustischen Hilfestellung einer Gitarre ein Stilbruch und Frontmann Mathias Zeh hatte hoffentlich nur wegen der späten Stunde die Augenlieder ständig auf halb acht. Nebenbei fingen dann auch die von manchen Besuchern mitgebrachten Kinder in der Turnhalle an, eine Unruhe zu verbreiten, die etliche Besucher und auch die marburg XXL Redaktion zum früheren Abwandern bewegte.

Bleibt zu hoffen, dass der Veranstalter "KFZ - Kulturladen" zur 18. Nacht der Stimmen im kommenden Jahr 2010 wieder so ein gutes Händchen bei der Künstlerauswahl hat, wie das bei MAUF und iNtrmzzo der Fall war, für es sich mehr als gelohnt hat, den insgesamt doch gelungenen Abend zu besuchen.

 

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